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Auch Dänemark führt gemeinsame Elternschaft als Grundsatz ein

Seit dem 1. Oktober 2007 kennt nun auch Dänemark die gemeinsame Elternschaft als Grundsatz - auch nach einer Scheidung. Nachdem letztes Jahr bereits Belgien, Italien und Australien ähnliche Gesetze eingeführt hatten, setzt sich der europäische Trend hin zur gemeinsamen Obhut als Grundsatz auch in Dänemark fort.

Mit dem neuen Gesetz haben beide Eltern weiterhin die gemeinsame Obhut über die Kinder - auch bei einer Scheidung. Die Eltern sind verpflichtet, sich im Hinblick auf die Handhabung der elterlichen Verantwortung nach der Scheidung zu verständigen - also wann die Kinder bei wem sind und wer wieviel Unterhalt an wen zu bezahlen hat.

Die gemeinsame Obhut kann jedoch durch ein Gericht beendet werden. Es kann selbst befinden, dass die paritätische Betreuung offensichtlich nicht im Kindesinteresse liegt , oder ein Elternteil kann einen entsprechenden Antrag stellen. Wenn beide Eltern einen solchen Antrag stellen, muss das Gericht diesem nachkommen.

Laut dem neuen Gesetz müssen für die Verweigerung der gemeinsamen Elternschaft aber handfeste Gründe (wie z.B. Missbrauch) vorliegen. Das Gesetz legt fest, dass die Eltern eine Reihe von Verantwortlichkeiten untereinander aufteilen (wie z.B. die Kinder zur Schule bringen); es schreibt aber auch vor, dass die Eltern Informationen über die Belange des Kindes (wie z.B. Schulfragen) austauschen. Auch Kinder haben unter der neuen Gesetzgebung mehr zu sagen, weil sie von Kinderschutzbehörden zu Obhutsfragen befragt werden.

Experten fürchten nun, dass es mit der Einführung der gemeinsamen Elternschaft als Grundsatz zu einer Welle von Neuverhandlungen von Obhutsfragen kommen wird. Anja Cordes, die Vorsitzende des dänischen Verbandes der Familienrechtsanwälte und Mitglied der gesetzgebenden Kommission, ist wenig optimistisch: Sie befürchtet, dass es streitenden Eltern nicht gelingen wird, ihre Rolle als Eltern von der konfliktiven Paarbeziehung zu trennen. 'Es wird Zeit brauchen, bevor Eltern lernen, Elternschaft von Partnerschaft zu trennen und aufhören, sich durch ihr Kind am Anderen zu rächen versuchen.'

Weniger pessimistisch sieht es Anette Hummelshøj, Direktorin des Departements für Familienfragen: 'Wir gehen davon aus, dass mit der Festlegung einer klaren Rechtspraxis durch die Gerichte es mehr scheidungswilligen Eltern gelingen wird, sich mit oder ohne Gericht zu einigen'.

Das jüngste Beispiel Dänemarks wie auch die breite europäische Entwicklung beweisen, dass der von den Schweizerischen Vereinigungen für gemeinsame Elternschaft (bei denen mannschafft eine treibende Rolle inne hat) im Juni vorgelegte Gesetzentwurf für eine gemeinsame elterliche Verantwortung keineswegs 'radikal' ist, wie ihm von verschiedener Seite vorgeworfen wird. Er ist nichts mehr die Kodifizierung einer Selbstverständlichkeit - dass ein Kind zwei Elternteile hat und es diese in aller Regel auch nach deren Trennung behalten will. Es ist deshalb zu wünschen, dass die Schweizer Gesetzesmacher bei der Gestaltung nationaler Regelungen auch die europäische Entwicklung gut im Auge behalten.