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England bestraft Eltern, die das Besuchsrecht verweigern

Mit dem Children and Adoption Act, der im November in Kraft treten soll, führt England Strafen für Eltern ein, die vom Gericht angeordnete Besuchsrechte ignorieren. Den verweigernden Eltern - auch in England in aller Regel Mütter - droht bis zu hundert Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Bisher sah das Gesetz vor, dass Eltern, welche die Beziehung ihrer Kinder zum anderen Elternteil verhindern, eine angeordnete Mediation besuchen müssen. Allerdings gab es bisher kaum Strafen für solche Eltern, die das vom Gericht verordnete Besuchsrecht missachten.

Das neue Gesetz trifft jedoch auf breite Skepsis. Der Leiter der Jugendbehörde Cafcass wünscht sich mehr spezialisierte Familienunterstützung für Kinder und Eltern. Der Sprecher des Verbandes der auf Bewährung Entlassenen befürchtet, dass Tausende von Müttern kriminalisiert würden. 'Es könnte heissen, dass verzweifelte Mütter unbezahlte Arbeit neben Kriminellen leisten müssten. Dies würde ihrer Verantwortung für die Kindererziehung widersprechen.'

Aber auch die Väterverbände sind vom neuen Gesetz nicht begeistert. Jon Davies, Vorsitzender von Families Need Fathers sagt: "Das Justizsystem ist langsam und auf Konflikt ausgerichtet. Die Strafen für die Missachtung von Anordnungen werden so selten angewandt, dass die Leute das Gefühl haben, sie kämen ungeschoren davon, wenn sie eine Mutter oder einen Vater daran hindern, ihr Kind zu sehen. Was wir brauchen, ist eine Veränderung des auf Konflikt ausgerichteten Gerichtssystems. In erster Linie müssen verhindern, dass die Leute überhaupt vor Gericht ziehen."

Eine Sprecherin der Regierung verteidigt jedoch das neue Gesetz: "Diese neuen Massnahmen ermöglichen es unter anderem, jemanden zu Elternklassen oder unbezahlter Arbeit zu verpflichten. Damit kann das Gerichtswesen neue Wege beschreiten, um bei ernsten Konflikten zwischen den Parteien Lösungen zu finden."