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Zum ersten Mal Mutter wegen Besuchsrechtsverweigerung verurteilt

In einem Aufsehen erregenden Urteil hat das Bezirksgericht Dietikon eine Mutter verurteilt, weil sie dem Vater ihrer Kinder das Besuchsrecht verweigert hat.

Diesem Urteil kommt Pilotcharakter zu: Jahrelang haben sich bisher Staatsanwälte und Gerichte erdreistet, die Durchsetzung geltenden Rechtes zu verweigern. Sie haben rechtsstaatliche Prinzipien über Bord geworfen, um offensichtliche und gravierende Verletzungen des Kindeswohls (als Begriff niemals definiert, aber besonders vom Bundesgericht gebetsmühlenartig zum Leitfaden allen staatlichen Handelns erhoben) durch possessive Mütter zu begünstigen.

Das Bezirksgericht Dietikon hat eine 35-jährige Mutter zweier Kinder im Alter von sechs und neun Jahren wegen mehrfachen Entziehens von Unmündigen zu einer Busse von 700 Franken verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hatte per Strafbefehl sogar eine strengere Sanktion von 30 Tagessätzen zu 100 Franken bedingt sowie 500 Franken Busse gefordert. Die Verteidigung einen vollen Freispruch. Die in der Sache geständige Mutter hatte im Frühling 2007 ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann in drei Fällen das Besuchsrecht verweigert. Diese Besuchsrechtsverweigerung ist nur eine Facette eines lange andauernden und erbittert geführten Trennungsstreites, den diese Frau mit ihrem Ex-Mann aus Argentinien ausficht. Dieser hat insgesamt sieben Mal die Obhut über seine Kinder beantragt und ist sieben Mal damit vor Gericht gescheitert. Im Laufe der Zeit sind auch noch Vorwürfe gegen ihn in Bezug auf Häusliche Gewalt gegen ihn aufgebracht worden. Vor vier Monaten hat er nun seine Kinder nach Argentinien gebracht. Alle Versuche, die Kinder in die Schweiz zurück zu bringen, sind bisher gescheitert.

Dieser Fall zeigt deutlich das völlige Versagen der staatlichen Rahmenbedingungen zur Bewältigung von Trennung und Scheidung. Wie im Lehrbuch lässt sich an diesem Beispiel darstellen, dass das gegenwärtige System fast nur Verlierer produziert: Die Kinder, die ihre Mutter verlieren und aus ihrem gewohnten Lebensumfeld gerissen werden; die Mutter, welche die Beziehung zu den Kindern verliert und nun vorbestraft ist, aber auch der Vater, der in seiner Heimat - nicht gerade ein Land, wo Milch und Honig fliessen - halb im Untergrund leben muss.

Doch das bisherige System hat auch Befürworter, ja Verteidiger: Anwälte, die sich über aufgrund ihrer Emotionalität widerstandsunfähige Mandanten persönliche Fehden untereinander liefern und eine goldene Nase verdienen wollen; Amtspersonen, die ihre Macht erhalten und dank klaren Geschlechterrollen ("arme" Mütter und "böse" Väter) ohne grossen Aufwand einfache Lösungen verfolgen wollen; Feministen, die nicht Gleich- sondern Mehr-Berechtigung anstreben; und Vertreter feministischer  Organsiationen, die durch ständige Betonung des Mütter-Leids für Frauen an Staatssubventionen kommen wollen. All diese Gruppen  instrumentalisieren für die Durchsetzung ihrer Ideologie die betroffenen Kinder und Eltern - ihren Kampf für die Erhaltung des längst nicht mehr zeitgemässen status-quo führen sie recht ungeniert in ihren Fachpublikationen.

Was wir dringend brauchen, ist eine kopernikanische Wende in der Bewältigung von Familienkonflikten. Die aktuelle Betrachtung von Kindern als Eigentum der Mutter wird zukünftig, wo auch Väter Erziehungsverantwortung wahrnehmen können, wollen und sollen, noch mehr solche Fälle produzieren. Eine System, das beide Eltern gleichberechtigt in die Verantwortung nimmt, schnell eingreift und auf eine begleitete Verständigung der Eltern über das Schicksal ihrer Kinder setzt, hilft nicht nur den Betroffenen, sondern kostet dem Staat auch massiv weniger Geld. Dies beweist z.B. die Cochemer Praxis, mit der in praktisch 100 % der Fälle gütliche Einigungen erzielt werden. Der Dachverband von mannschafft, die Schweizerische Vereinigung für Gemeinsame Elternschaft (GeCoBi) hat solche Vorschläge bereits vor über anderthalb Jahren in Bern präsentiert. Bis heute ist diesbezüglich - trotz mehrfacher anderslautender Ankündigungen - nichts passiert. Dies bedeutet, dass noch mehr Kinder und Eltern zum Spielball eines dysfunktionalen Systems gemacht werden.

 

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Artikel Tages-Anzeiger