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Massiv mehr Obhutsentzüge - wegen den Eltern oder dem System?

Während in der Wirtschaftskrise viele Schweizer um ihren Arbeitsplatz zittern müssen oder ihn bereits verloren haben, kann die Sozialindustrie volle Auftragsbücher vorweisen. Dies ist wenig verwunderlich, denn sie kann sie sich gleich selbst füllen. Die betroffenen Kinder und Eltern haben das Nachsehen; der Steuerzahler darf bezahlen.

Gemäss der Zeitung "Sonntag" vom 26.7. hat im Jahr 2008 die Zahl der Obhutsentzüge um 19 Prozent zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden in rund 1300 Fällen Eltern die Verantwortung für ihre Kinder entzogen - als in jedem Monat 108-mal. Diese Zahl ergibt sich aus einer Hochrechnung der Fallzahlen aus den Kantonen Zürich, Aargau und Baselland. Für Diana Wider, der Zentralsekretärin der Konferenz der kantonalen Vormundschaftsbehörden (VBK) liege dies in der wachsenden Überforderung der Eltern wie auch in der wachsenden Sensibilisierung der Behörden begründet. Diese hätten vermehrt Angst, dass ihnen angekreidet werde, wenn sie nicht handelten.

Fakt ist, dass die Obhuts- und Sorgerechtsentzüge in einem System stattfinden, dass sich sehr wenig um die langfristige Entwicklung von Kindern kümmert. Die mit dem euphemistischen Begriff "Fremdplatzierung" durchgeführten Kindesentzüge entsprechen selten genug einer wirklichen Notwendigkeit. Bereits der Begriff "Fremdplatzierung" (dessen Gegenstück wohl die "Eigenplatzierung" wäre) suggeriert eine patriarchalische Selbstherrlichkeit, mit der die Behörden entscheiden, wer seine Kinder selber erziehen darf und wer nicht.

Wohlverstanden: Es gibt und wird auch in Zukunft Fälle geben, in denen eine Kindeswegnahme, d.h. ein Entzug des elterlichen Obhutsrechtes die adäquateste Massnahme zum Schutze des Kindes ist. Heute jedoch wird dieses drastische Mittel auch in vielen Fällen angewendet, in denen andere Instrumente wesentlich erfolgsversprechender und kostengünstiger sind. Ein wichtiges Beispiel dafür sind Sorge- und Besuchsrechtsstreitigkeiten. Wer sich mit solchen z.B. an die Vormundschaftsbehörde der Stadt Zürich wendet, kann es passieren, dass einem bereits nach wenigen Minuten des Telefongesprächs eine ‚Fremdplatzierung‘ angedroht wird. Dies obwohl beispielsweise eine angeordnete Mediation als Mittel der Wahl eine nachhaltige Lösung des Konfliktes verspricht und für den Staat um Potenzen günstiger ist als eine Platzierung des Kindes in einem Heim oder einer Pflegefamilie. Ein weiteres Beispiel für die Absurdität der heutigen Praxis ist ein Fall einer mittelgrossen Gemeinde im Kanton Aargau, in der die Gemeindebehörden fünf Geschwisterkinder lieber für einen jährlichen Millionenbetrag unter fragwürdigen Umständen in einer Pflegefamilie unterbringen, anstatt sie jenem Elternteil zu überlassen, der sowohl die Fähigkeit, die Zeit als auch die Räumlichkeiten zu deren Betreuung und Unterbringung besitzt.

Ein grosses Problem liegt in der Kontroll- und Anreizstruktur der Sozialindustrie, die in den meisten Belangen im 19. Jahrhundert stecken geblieben ist. Die Erkenntnisse der Institutionenökonomie, der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung wie auch der Korruptionsbekämpfung sind am institutionellen Setting der Sozialindustrie bisher weitgehend spurlos vorüber gegangen. So hat diese keinerlei intrinsische Anreize, die ihnen anvertrauten Fälle rasch und nachhaltig zu lösen, wie es im Interesse der Betroffenen und der Steuerzahler liegen würde. Dies würde bedeuten, dass sich die Mitarbeiter der Sozialindustrie ja selbst arbeitslos machen würden, woran sie natürlich keinerlei Interesse haben. Stattdessen bevorzugen sie eine jahrelange Verzögerung und Verschleppung von Leidensgeschichten, denn eine solche Verstetigung von Problemen sichert ihnen längerfristig Einfluss und Einkommen.

Dazu kommt, dass die ungenügende Steuerung durch die Politik - wie sie sich beispielsweise in einer völlig intransparenten Vergabepraxis für Pflegeplätze äussert - Tür und Tor für die Befriedigung von persönlichen ideologischen oder finanziellen Interessen der Vertreter der Sozialindustrie öffnet. Dass sich viele dieser Leute vor allem die Umsetzung ihrer feministischen Ideologie auf Kosten von Kindern und ihren Vätern auf ihre Fahnen geschrieben haben, brauchen wir in diesem Rahmen nicht mehr zu erörtern. Vermittler von Pflegeplätzen, die ihre Kinderlieferanten eine "Aufmerksamkeit" zugute lassen kommen, sind unter den herrschenden Gegebenheiten ebenfalls keine Überraschung.

Das "Kindeswohl" muss hinter den Bedürfnisse der Sozialindustrie zurück treten, Eltern und Steuerzahler müssen deren weitgehend aufsichtsloses Gebaren erdulden und finanzieren.

Was tun? Wie erwähnt haben die Behördenvertreter grosse Angst vor der öffentlichen Meinung. Es kann sich deshalb u.U. lohnen, auch Medienvertreter über fragwürdige Aktionen der Sozialindustrie zu informieren (z.B. wie hier). Sinnvoll ist auch die Wahrnehmung des gesetzlich zugesicherten Akteneinsichtsrechtes, um mit der Forderung nach Transparenz die schlimmsten Entgleisungen nachweisen zu können.

Gefordert ist allerdings in erster Linie die Politik (und damit auch wir alle, denn Politiker regnet es nicht vom Himmel), die endlich Rahmenbedingungen schaffen, bei welchen die Interessen der betroffenen Kinder an erster Stelle stehen und nicht jene der Sozialindustrie.