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Kampfscheidungen haben ihren Preis - auch für die Steuerzahler

Kampfscheidungen nicht nur für die Betroffenen langwierige, nervenaufreibende Angelegenheiten, in denen sich die Beteiligten bis aufs Blut bekriegen und in der Regel die Kinder auf der Strecke bleiben. Zahlen für solche langwierigen Scheidungsauseinandersetzungen muss jedoch nicht nur die psychische und physische Gesundheit der Betroffenen, sondern auch die Steuerzahler. So braucht der Bezirk Meilen per 1. Dezember einen zusätzlichen Bezirksrichter.

«Bei Scheidungsprozessen geht es an der Goldküste – nebst den Kinderbelangen – häufig auch um viel Geld», sagt Jürg Meier, Gerichtspräsident am Bezirksgericht Meilen. Während 2005 nur rund 30 Prozent der Scheidungsverfahren am Bezirksgericht Meilen strittig waren, sind es heute rund 45 Prozent. Rechtsschriften mit einem Umfang von 100 Seiten seien keine Seltenheit, so Meier gegenüber dem Tages-Anzeiger

Welche Dimensionen so eine Kampfscheidung annehmen kann, haben Betroffene schon in allen Einzelheiten geschildert. Doch solche Verfahren sind nicht nur von den Betroffenen zu berappen, sondern der Staat und damit auch der Steuerzahler muss die notwendige Infrastruktur für den Kampf vor Gericht zur Verfügung stellen. Und dies geht ins Geld: Gemäss einer Studie des Europarates hat die Schweiz das viertteuerste Justizsystem pro Einwohner - nach Monaco, Luxemburg und Nordirland. Wenn man weiss, dass Scheidungen den Löwenanteil der von Gerichten bearbeiteten Fälle ausmachen, kann man verstehen, wie absurd und kontraproduktiv das heute in der Schweiz angewandte System zur Bewältigung von Trennung und Scheidung ist. Die Konfrontation vor Gericht, die in eine Logik von Siegern und Verlierern mündet, ist nicht nur denkbar ungeeignet zur Bewältigung von familienrechtlichen Auseinandersetzungen, deren erste Opfer die betroffenen Kinder sind. Sie kostet den Staat auch sehr viel unnötiges Geld.

Doch das ficht die verantwortlichen Politiker nicht an. Obwohl sie die Gelegenheit haben, mit der Reform der Gerichtslandschaft und der Neuschaffung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) interdisziplinäre Familiengerichte einzuführen, um Streitfälle konstruktiv und kooperativ zu lösen, wollen sie davon nichts wissen. 'Politisch nicht durchsetzbar', so die Standardantwort des Regierungsrates. 

Auch wenn die Betroffenen zweifellos von einer konstruktiven Beilegung ihrer Konflikte profitieren würden, lässt sich dies sicherlich nicht von Anwälten und Juristen sagen. Sie wollen auch weiterhin von jahrelangen, fruchtlosen Auseinandersetzungen profitieren und viele - weitgehend überflüssige - Schriftsätze produzieren und lesen, für die sie von ihren Klienten oder dem Staat bezahlt werden. Und dass Juristen auf dem politischen Parkett sehr gut vertreten sind und so ihre Standesinteressen geltend machen, muss hier wohl nicht weiter ausgeführt werden.  

Wenn Juristen sich die Taschen füllen wollen, müssen die Interessen der Kinder hinten anstehen.