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Schweizerin entführt Kind aus den USA - aber umsonst...

Das Zürcher Obergericht hat in Anwendung des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung entschieden, dass ein knapp zehnjähriges Mädchen wieder zu ihrem Vater in die USA zurückkehren darf. Die Mutter hatte das Kind unter dem Vorwand in die Schweiz entführt, mit ihm hier Ferien verbringen zu wollen. Für diesen - eigentlich dringlichen - Entscheid hat sich die Zürcher Justiz über ein Jahr Zeit genommen.

Eine Schweizerin, die ihre knapp zehnjährige Tochter gegen den Willen des amerikanischen Vaters nicht zurück nach New York gebracht hat, sondern im Kanton Zürich zurückbehält, wird vom Obergericht angewiesen, innert zwanzig Tagen die Rückführung zu veranlassen; dies allerdings unter der Bedingung, dass die Mutter mitreisen darf und ihr die amerikanischen Behörden einen Aufenthalt von mindestens drei Monaten Dauer erlauben.

Die Frist für die Rückführung beginnt nach Auffassung der II. Zivilkammer des Obergerichts erst dann zu laufen, wenn die USA die Bewilligung ausgestellt haben. Das Gericht will damit sicherstellen, dass die Mutter beim laufenden Sorgerechtsverfahren in New York anwesend sein kann. Derzeit sind die unverheirateten Eltern nach amerikanischem Recht noch gemeinsam sorgeberechtigt. Dieses Recht sei anzuwenden (und nicht das schweizerische, das der Mutter das alleinige Sorgerecht zubilligen würde), weil New York dem gewöhnlichen Aufenthaltsort der Zehnjährigen entspreche, so der richterliche Beschluss aus Zürich.

Die Mutter war im Sommer 2008 mit der Tochter für Ferien in die Schweiz gereist. Entgegen der Abmachung mit dem Vater brachte sie das Kind jedoch nach zwei Monaten nicht wieder zurück nach New York, wo dieses drei Jahre lang gelebt, den Kindergarten und die Schule besucht hatte. Der Vater machte daraufhin an seinem Wohnort eine Klage für die Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf ihn hängig und forderte in der Schweiz die Rückführung seiner Tochter in die USA.

Das Zürcher Obergericht gibt dem Vater in seinem kürzlich veröffentlichten Beschluss recht; es bejaht die Frage, ob sich die Mutter widerrechtlich verhalten hat. Sie hat, trotz dem gemeinsamen Sorgerecht und gegen den Willen des Vaters, das Kind in der Schweiz zurückbehalten. In Anwendung des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung und unter Berücksichtigung der Kinderschutzkonvention verneinen die Richter das Vorliegen von Verweigerungsgründen, die eine Rückführung verhindern würden.

Die Mutter hatte während des Verfahrens schlimme Vorwürfe gegen den Kindsvater erhoben: Er habe die Tochter sexuell missbraucht, trinke übermässig Alkohol und konsumiere Kokain, führe ein Jetset- und Bohémien-Leben. Das Kind, das mit ihrem Einverständnis drei Jahre lang beim Vater in New York lebte, werde körperlich und emotional verwahrlost, nicht kindgerecht erzogen, müsse in einer unhygienischen Wohnung leben und das Bett mit dem Vater teilen.

Das Obergericht erachtet all diese Vorwürfe weder als nachgewiesen noch als glaubhaft. Es weist die amerikanische Zentralbehörde jedoch an, mit der Kindesschutzbehörde Kontakt aufzunehmen, damit die Vorwürfe abgeklärt und allenfalls Massnahmen getroffen werden könnten.

Eine Befragung der Zehnjährigen hatte im Übrigen keine klaren Aussagen zugunsten eines Verbleibs bei der Mutter oder beim Vater ergeben – sondern in erster Linie einen Loyalitätskonflikt.

Als die Eltern noch gemeinsam als Paar das Kind betreuten, lebte die Familie in Zürich, Paris, New York und Santa Monica. Bemühungen zur Vermittlung zwischen Vater und Mutter, die den Aufenthalt der Tochter zum Thema hatten, jedoch scheiterten, fanden in Saint-Tropez statt. Ab Anfang 2005 wohnte die Tochter dann beim Vater in New York. 

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Schon erstaunlich, dass in der Schweiz zweierlei Recht gelten. Wer das Glück hat, irgendwo im Ausland mit seinem Kind zusammen gelebt zu haben, kann sich auf die Durchsetzung einer aufgeklärten Rechtsstaatlichkeit verlassen. Sogar das in allen Belangen väterfeindliche Obergericht muss zähneknirschend einer Rückführung des Kindes in ein sorgerechtlich zivilisiertes Land zustimmen, will es der Schweiz auf dem internationalen Parkett nicht noch mehr Ärger einhandeln.

Hat man jedoch das Pech, sein Kind in der Schweiz geboren und betreut zu haben, gilt dies nicht. Bei uns herrscht noch immer die Auffassung, dass ein Kind das Eigentum seiner Mutter sei, die damit machen könne, was sie wolle. In innerschweizerischen Verfahren verletzt das Obergericht systematisch Menschen- und Kinderrechte, um diesem atavistischen Weltbild Nachachtung zu verschaffen. So bricht das Obergericht auch noch eine Lanze für die Kindesentführerin, indem es den US-Behörden vorschreibt, wie sie diesen Fall zu beurteilen haben.

Wenig erstaunlich ist auch, dass die Gegenseite dem Vater allen möglichen Dreck anwirft. Die konsequente Diffamierung von Vätern vor Gericht mit unbewiesenen und haltlosen Vorwürfen ist gängige Praxis in der Zürcher Anwaltsszene. Diese Leute geben sich häufig piekfein und sind vielen Leuten hoch angesehen (wofür ist eigentlich nicht klar - allenfalls für ihre Dreistigkeit, für ihre nicht selten sehr mittelmässigen Leistungen exorbitante Honorare zu verlangen). Sie sind sich nicht zu schade, in die untersten Schubladen menschlicher Schäbigkeit zu greifen, wenn es ihrem persönlichen Vorteil etwas nützt.