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"Einem Vater gibt man keine Kinder"

Von der Mutter verprügelt, dem Vater weggenommen, ins Heim gesteckt und nun als Fotosujets einer geldgierigen Bank missbraucht. Was Kinder im Kanton Zürich im Jahr 2010 alles erleben müssen.

'Die Weihnachtszeit ist eine gute Gelegenheit, Profite zu steigern.' Dies dachte sich offenbar auch die Marketing-Abteilung der Bank Linth, die mit der Kampagne 'Wünsche werden wahr' auf die Tränendrüsen (und die Portemonnaies) bestehender und potenzieller Kunden drücken will. Und da bei einem grossen Teil der Bevölkerung im Zuge des rauhen Windes gegen Ausländer die grossen Kulleraugen von hungerbäuchigen Kindern in Afrika nicht mehr so gut ankommen, hat die Bank nach lokalen Sujets gesucht. Nun glaubt sie, diese in den Kinderheimen der Region gefunden zu haben.

Zum Beispiel bei einem Jungen mit dem fiktiven Namen Markus aus dem (realen) Kinderheim Grünau in Wädenswil. Markus ist nicht auf eigenen Wunsch im Heim, sondern erst, seit sein Vater mit ihm Schutz im Kinderspital Zürich suchte. Ein grosser Fehler, wie sich später herausstellte. Der Vater warf seiner Frau vor, Markus geschlagen zu haben. Da Markus' Mutter die ärztlich festgestellten Misshandlungen bestritt, die Befragung des Kindes – eine juristische Untersuchung ebenso – verweigert wurde und folglich der Täter unbekannt blieb, platzierte die Vormundschaftsbehörde Volketswil Markus gegen seinen Willen in eine Pflegefamilie. Nach einer gewaltsamen Eskalation, ausgelöst durch die Mutter, platzierte die Behörde Markus zu seinem persönlichen Schutz in einem Übergangsheim. Und das, obwohl der Vater sich für die Betreuung seines Sohnes von Beginn an zur Verfügung stellte.

Als vor einigen Wochen der Vater nichtsahnend ein Schreiben der Bank Linth öffnet, kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus: Auf dem beigelegten Werbeflyer der Aktion 'Wünsche werden wahr' lächelt ihm sein Sohn Markus entgegen. Das Kinderheim und die Bank hatten ohne seine Zustimmung und ohne sein Wissen (was illegal ist) seinen Sohn als Fotosujet für eine fragwürdige Kampagne gebraucht.

Doch damit nicht genug: Als Michael Handel, Autor der Website 'Kinder ohne Rechte' bei Donald Specht, dem Leiter des Kinderheims Grünau mit dem Einverständnis des Vaters weitere Auskünfte über diese Aktion einholen wollte, verbot Specht kurzerhand Markus' Besuche beim Vater - und das, obwohl gegen den Vater bis heute nichts vorliegt und Daniel die Besuche bei ihm schätzt und auch ausdrücklich wünscht. Die prügelnde Kindesmutter ist von dieser Massnahme nicht betroffen. Bereits vor zwei Jahren hatte das Kinderheim Grünau Markus den Kontakt zu seinem Vater verboten. Auch damals mündlich, ohne Begründung, ohne rechtliche Grundlage, ein halbes Jahr lang. Erst nachdem Handel bei der zuständigen Vormundschaftsbehörde Volketswil interveniert hatte, hob das Kinderheim die illegitime Kontaktsperre per sofort auf.

Doch zurück zur Bank Linth und dem Kinderheim Grünau: Die Bank erweckt mit ihrer Aktion den Eindruck, als nehme sie die tatsächlichen Wünsche der Kinder ernst und versuche sie zu erfüllen. Doch dem ist nicht so: Es geht lediglich um die Erfüllung materieller Wünsche wie etwa einem Velo oder einem I-pod für Markus - der ihm sein Vater gerne geschenkt hätte, wenn er etwas davon gewusst hätte. Mit den weiteren Bedürfnissen der Kinder möchte sich die Bank nicht herumschlagen. Doch besonders absurd ist: Die Kinder haben die Zuwendung der Bank gar nicht nötig. Das Kinderheim Grünau gehört einer wohlhabenden Stifung und erwirtschaftet jährlich einen Gewinn von über CHF 100'000 - nicht zuletzt gespiesen von den monatlich CHF 7'000, welche die Behörden dem Heim pro Kind und Monat überweisen. Bei den Behörden können für diese Kinder auch Zusatzausgaben wie ein Velo beantragt und gesprochen werden - also keine Spur von materieller Not bei den Heimkindern. Hingegen machen sie sich offenbar gut in einer Werbekampagne, wo eine profitorientierte Bank ausschliesslich auf materielle Wünsche von Kindern fokussiert. Materialismus und Profitgier als Ersatzbefriedigung für Menschlichkeit und Beziehung - wer anderes als eine Bank könnte dies besser vertreten? Doch nur die Bank? Das Beispiel zeigt, dass auch die Sozialindustrie so tickt: Es geht nicht darum, Kinder glücklich aufwachsen zu sehen, sondern sie dienen auch der Sozialindustrie als Instrumente zur Befriedigung ihrer ideologischen und finanziellen Interessen. Und so gehen Profitgier und Kindesmissbrauch Hand in Hand im schönen Schweizerland.

Auf den Plakaten der Werbeaktion täuscht das Heim vor, Kinderwünsche ernst zu nehmen. Aber Markus' wichtigstes Anliegen bleibt unerfüllt. Seit Beginn seiner Fremdplatzierung äussert er sein inniges Bedürfnis, bei einem Elternteil leben zu dürfen. Doch dieser langersehnte Herzenswunsch findet kein Gehör. Die Antwort der zuständigen Beiständin: 'Einem Vater gibt man keine Kinder'.

 

Die ganze Geschichte mit weiteren unappetitlichen Details auf www.kinderohnerechte.ch