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Internationale Kindesentführungen: Frauenanteil steigt weiter

Das Bundesamt für Justiz hat die jährliche Statistik zu internationalen Kindesentführungen und Besuchsrechtsverweigerungen bekannt gegeben. Der Frauenanteil bei den entführenden Personen liegt 2010 bei 71% (gegenüber 66% im Jahr 2009). Noch krasser ist die Zahl von Besuchsrechtsverweigerungen: Dort sind es in 84% aller Fälle die Mütter, die Kindern den Kontakt zum anderen Elternteil verweigern.

Die Zentralbehörde zur Behandlung internationaler Kindesentführungen im Bundesamt für Justiz (BJ) hat im Jahr 2010 insgesamt 234 Fälle behandelt. 132 Fälle wurden aus dem Vorjahr übernommen. Von den 102 neuen Anträgen betrafen 70 die Rückführung von Kindern und 32 die Ausübung des Besuchsrechts.

Im letzten Jahr übermittelte die Zentralbehörde Gesuche namentlich an Frankreich (9), Brasilien (6), Deutschland (5) und USA (4). Anträge an die Schweiz kamen hauptsächlich aus Deutschland (9), Frankreich (8), Italien (6) und USA (4). Nach wie vor überwogen die Rückführungsanträge an das Ausland (59) jene an die Schweiz (42), allerdings weniger ausgeprägt als in den Vorjahren.

Entführender Elternteil war häufiger die Mutter (71% der Fälle). Bei der Verweigerung des Besuchsrechts war der Anteil der Mütter höher (84% der Fälle). Von den neuen Rückführungs- und Besuchsanträgen waren 147 Kinder betroffen. Ihr Durchschnittsalter betrug rund sieben Jahre.

Als positiv wertet die Behörde, dass sie mit dem am 1. Juli 2009 in Kraft getretenen neuen Bundesgesetz über internationale Kindesentführung und die Haager Übereinkommen zum Schutz von Kindern und Erwachsenen arbeiten kann. Sie schreibt wörtlich: "Diese unterstützen zielgerichtete Lösungen und gewährleisten kindsgerechte Verfahren: Die Verfahrensdauer konnte mit der Reduktion auf zwei Gerichtsinstanzen entscheidend verkürzt werden, Kinder verfügen über eine eigene Vertretung und gütliche Lösungen durch Vermittlung und Mediation werden gefördert. Die für alle Beteiligten, insbesondere für die Kinder, belastenden Gerichtsverfahren und Zwangsvollstreckungshandlungen können auf diese Weise verhindert, beschleunigt oder zumindest für die Kinder schonender gestaltet werden."

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass GeCoBi, der Dachverband von mannschafft, genau die gleichen Instrumente für das Inland fördert, wie sie sich ganz offensichtlich auch in zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen bewährt haben. Allerdings wollen viele politische Kräfte in der Schweiz nichts davon wissen - zu stark sind die ideologischen und finanziellen Pfründe, die dadurch in Gefahr gerieten. Die Zeche für so viel Engstirnigkeit und Eigennutz zahlen wieder einmal jene, die sich am schlechtesten wehren können - unsere Kinder.

Medienmitteilung BJ

Meldung 2010