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Verarmt, ohne Hoffnung - und von der Politik vergessen

Armut, Sucht, Gefährdung von Leib und Leben von sich selbst und anderen - all dies sind uns wohlvertraute Folgeerscheinungen einer Trennung oder Scheidung. Die 'Obersee Nachrichten' (ON) portraitieren den Fall eines Mannes, der mit seiner Scheidung alles verloren hat - und auch sich selbst.

Rolf B.s (so heisst er in den ON) Leben schien wie auf Schienen zu verlaufen: Zwei ETH-Abschlüsse, guter Job, Frau, Kinder - was zu einem erfolgreichen Leben so dazu zu gehören scheint. Die Scheidung von seiner Frau und deren Weigerung, ihm Kontakt zu seinen Kindern zu gewähren, werfen Rolf B. jedoch aus der Bahn. Heute ist er von der Sozialhilfe abhängig, hat Betreibungen und Prozesse am Hals - und in seinem Leben keine Perspektive mehr.

Wie die ON treffenderweise festhalten, gibt es in der Schweiz viele Männer wie Rolf B. Wie viele es sind, ist jedoch unbekannt. Der Staat weigert sich, Fälle wie Rolf B. auch nur zu erfassen - geschweige denn, an den Ursachen ihres Schicksals etwas zu verändern. Das Bundesamt für Statistik (abgekürzt BfS, was dieser Institution weniger Wohlwollende als 'Bundesamt für Sozialismus' ausdeutschen) führt in der Schweiz zu allen möglichen und unmöglichen Themen Erhebungen durch. So weiss das BfS etwa, wie viele Hühner im Kanton Appenzell-Innerrhoden leben, nicht aber, wie es um die körperliche und psychische Gesundheit von getrennten und geschiedenen Vätern bestellt ist. 

Natürlich ist das politisch auch so gewollt. Käme heraus, dass die gegenwärtige Scheidungsgesetzgebung und -praxis so viel Leid und gesellschaftliche Folgekosten in der Form von Sozialhilfe, IV, Arbeitsausfällen, Alimentenbevorschussungen, Strafverfolgungs- und Gefängniskosten wie auch Kosten für Fremdplatzierungen oder Kinderrenten verursacht, liesse sich der Status quo nicht mehr länger rechtfertigen. Stattdessen wollen Bundesrätin Sommaruga und das Parlament den Druck auf Väter noch weiter erhöhen.

 

Obersee Nachrichten vom 10.7.2014