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Fernsehkritik: Nacherziehung als Reparaturbetrieb der vaterlosen Gesellschaft

Das Schweizer Fernsehen hat am letzten Sonntag einen Dok-Feature von Patrick Schellenberg gezeigt. Darin portraitiert er die Erziehungsberaterin Sefika Garibovic. Wohl unterschwellig zeigt er, welche Auswirkungen die staatlich verordnete vaterlose Gesellschaft auf unsere Kinder haben kann.

Frau Garibovic hat eine Aufgabe, für die sie nicht zu beneiden ist: Ihre Klientel sind Jugendliche, an denen sich die Helferindustrie von Schulsozialarbeitern, Schulpsychologen, Gutachtern, Therapeuten, Ärzten, Sozialpädagogen, Heimbetreuern und wer da noch mit dem Einsatz von Steuergeldern auf unsere Kinder losgelassen wird, erfolglos abgearbeitet haben. Nun versucht sie, diese austherapierten Jugendlichen doch noch auf die rechte Bahn zu bekommen.

Dabei verletzt die resolute Ex-Jugoslawin bewusst und gezielt die von der Helferindustrie etablierten Konventionen der political correctness. Als erstes setzt sie die Psychodroge Ritalin ab, damit die Kinder wieder sich selber sein können. Auch zögert sie nicht, einen renitenten Jugendlichen auch einmal zu schütteln, um ihm für ihn unangenehme Wahrheiten einsickern zu lassen. Zu ihrem Credo gehören Respekt und Unterordnung unter die Eltern – alles Dinge, mit denen die meisten Vertreter der Sozialindustrie ihre liebe Mühe haben. Dass diese auf das bekennende SVP-Mitglied Garibovic und ihre Methoden zurückgreifen muss, zeigt wie gross die Ratlosigkeit und Verzweiflung der Verantwortlichen sind.

Da die Sozialindustrie am Vater als redundantem und nötigenfalls zu eliminierenden Elternteil als ideologischem status quo nicht rütteln will, muss sie dann mit anderen Mitteln, die dysfunktionalen Jugendlichen wieder zu funktionierenden Elementen der Gesellschaft zu formen – wenn nötig unter dem Einsatz von Drogen.

Auch der Filmemacher Patrick Schellenberg (wie auch sein Arbeitgeber) scheinen sich der Ideologie der Sozialindustrie verschrieben zu haben. In den dargestellten Portraits ihrer jungen Klienten tauchen lediglich wohlmeinende, aber hilflose und verzweifelte Mütter auf. Väter kommen weder im Beitrag und auch offenbar nicht im Leben der Problemjugendlichen vor – eine Tatsache, die der Autor nicht für erwähnenswert hält – genau so wenig wie die Tatsache, dass die Sozialindustrie ihr äusserstes tut, um Väter aus ihren Familien auszuradieren. Dass dies nicht von allen Kindern ohne Schäden ertragen werden kann, legt der Film – wohl entgegen den Intentionen seines Machers – eindrücklich dar.

Dabei springt einen in den dargestellten Fällen die Abwesenheit einer starken Persönlichkeit, die den Jugendlichen Regeln und Grenzen setzt, förmlich an. Den Jugendlichen fehlt eine Figur, die ihnen Anleitung gibt und an der sie sich auch reiben und abarbeiten können. Fehlt diese, greifen sie zu immer härteren Verfehlungen, um diesen Widerstand in ihrem Umfeld finden zu können und es zu einer Auseinandersetzung mit ihnen zu zwingen.

Sefika Garibovic tut ihr Möglichstes, um diese Leitfigur darzustellen – ersetzen kann sie sie jedoch nicht. Genau so wenig kann sie in wenigen Sitzungen über Jahrzehnte und mehrere Generationen hinweg verkorkste Familienverhältnisse heilen. Frau Garibovic steht vor der Anforderung, einen Kompromiss zu schliessen zwischen ihrem Ansatz einer autoritären, aber im positiven Sinne paternalistischen Methode und der Tatsache, dass ihre Geld- und Auftraggeber (KESBs, Sozialämter, Jugendanwaltschaften) die eigene Ideologie nicht in Frage gestellt sehen möchten. Es fragt sich, ob dieser Kompromiss nicht manchmal einen eigentümlichen Geschmack aufweist.

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