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Deutsche Initiative für Doppelresidenz

In einer bemerkenswerten Anstrengung hat eine deutsche ‘Projektgruppe Doppelresidenz’ das Thema der Gestaltung der Kinderbetreuung nach einer Trennung und Scheidung gründlich neu aufgerollt. Entstanden ist eine professionell gemachte Broschüre, in der die Doppelresidenz als die natürlichste Sache der Welt dargestellt wird (was sie ja auch ist...)

Die Doppelresidenz (auch Wechselmodell oder geteilte Obhut genannt) ist in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland (aber noch mehr in der Schweiz und in Oesterreich) tut sie sich jedoch schwer, die Zustimmung von Betroffenen und Fachleuten wie Richtern, Jugendamtmitarbeitenden oder massgebenden Leuten an den Universitäten zu finden. Mit einer genauso lobenswerten wie aufwändigen Initiative möchte die spezifisch formierte ‘Projektgruppe Doppelresidenz’ nun Gegensteuer geben.

Diese Projektgruppe wird in erster Linie vom Vateraufbruch für Kinder e.V. getragen, der grössten deutschen Organisation, in der sich Scheidungsväter organisieren. Daneben sind etwa die Bundesinitiative Grosseltern oder der Verein ‘Anwalt des Kindes’ vertreten, aber auch die Gruppierung ‘väter aktiv’ aus dem Südtirol. In der Broschüre stellen die Initianten dar, wie stark das Interesse von Scheidungsvätern in Deutschland an der Erziehung ihrer Kinder im Nachgang zur Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge gewachsen ist. Die Zahl der gerichtlichen Umgangsverfahren (d.h. Fälle, in denen das Gericht die Verteilung der Kinderbetreuung zwischen den Eltern regeln musste) ist zwischen 1997 und 2013 um fast 250 % gewachsen! Für die Initianten ist es deshalb nur folgerichtig, beiden Elternteilen grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten bei der Kinderbetreuung einzuräumen.

Dabei sind die Initianten keine Fundamentalisten; sie räumen durchaus ein, dass jedes Elternpaar eine für sie und ihre Kinder stimmige Lösung finden muss. Anhand von ausführlich geschilderten Praxisbeispielen legen sie jedoch glaubwürdig dar, dass die Doppelresidenz für viele Eltern und Kinder ein gutes, wenn nicht gar das beste Betreuungsmodell darstellt – selbst wenn manche Elternteile zuvor starke Zweifel daran hatten.

Der wohl eindrücklichste Teil der Broschüre ist das ausführliche Kapitel über die wissenschaftlichen Ergebnisse der internationalen Forschung zur Doppelresidenz. Anhand von zahllosen Studien und Aussagen namhafter Wissenschaftler werden eindrücklich und kaum widerlegbar die Überlegenheit dieses Modells im Vergleich zu den klassischen Ein-Eltern-Betreuungsformen belegt. Damit wird auch aufgezeigt, wie weltfern und ideologisch verbohrt die Position der Schweizer Familienrechtsclique ist, die sich jahrzehntelang erfolgreich gegen die rechtliche Gleichstellung von Vätern gewehrt hat und nun mit den alten, abgestandenen Argumenten zu verhindern versucht, dass Väter eine wesentliche Rolle bei der Erziehung ihrer Kinder zu spielen haben.

Die Broschüre ‘Doppelresidenz’ ist ein ebenso konkreter wie praktischer Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und Denkblockaden. Auch wenn sie ausführlich auf die rechtliche und lebensweltliche Situation in Deutschland eingeht, sei sie all jenen ans Herz gelegt, die sich privat oder beruflich mit der Aufteilung der Kinderbetreuung zu befassen haben.

Broschüre als PDF