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Sonderfall Schweiz: Kinder als Waffe

Dass sich die Schweiz als Insel der Seligen versteht, ist nichts Neues. Dass das Bundesgericht blindlings feministischem Gedankengut folgt und dabei das gebetsmühlenhaft propagierte Kindeswohl mit Füssen tritt, auch nicht.


In zwei Fällen musste das Bundesgericht zur Umsetzung der Doppelresidenz Stellung beziehen. Gemäss einem Artikel in der NZZ finden die Bundesrichter ‘es lasse sich nicht allgemeingültig sagen, ob es für ein Kind besser sei, abwechselnd von Vater und Mutter betreut zu werden als von einem Elternteil alleine’. Schon diese Aussage ist nicht nur ein völliger Affront gegen jene Eltern (Väter wie Mütter) die sich gemeinsam für das Wohlergehen ihrer Kinder engagieren. Sie besagt, dass ein Elternteil ja eigentlich redundant, d.h. eigentlich überflüssig ist. Sie ist auch ein völliger Widerspruch gegen die letzten Jahrzehnte der Entwicklungsforschung von Kindern, die einhellig den Wert von beiden Elternteilen beim Aufwachsen der Kinder betont.


Dennoch fällt es dem Bundesgericht nicht schwer, Gelehrte zu finden, die einen Elternteil für nicht nötig oder gar der Kindesentwicklung abträglich halten. Grosse Teile der Welt der akademischen Familienjuristen werden durch die Einheitsmeinung bestimmt, die von der feministischen Basler Professorin Ingeborg Schwenzer durch ihr Publikationsorgan ‘FamPra’ vorgegeben wird. Mit Michèlle Cottier hat eine Vertreterin der schweizerischen Familienrechtsclique vor einigen Tagen im Tagesanzeiger klar gemacht, dass Väter kein Recht auf Kinderbetreuung haben, weil die tradierten Geschlechterbeziehungen Frauen eine (gemäss ihrer Meinung) minderwertige Rolle zuweisen. Deshalb sei die Kindererziehung ein Prärogativ der Frauen, für das Väter die finanziellen Mittel bereitzustellen haben.


Abgesehen vom Zirkelschluss dieser Argumentation (Frauen können sich nicht aus ihrer ‘minderwertigen’ Rolle befreien, wenn sie zur Kinderaufzucht gezwungen werden), ist sie auch ein Affront gegenüber den Kindern: Sie müssen auf eine gehaltvolle Beziehung zu einem Elternteil verzichten (deren Wert und Bedeutung der Rest der Welt schon längst anerkannt hat), weil Cottier und Konsorten sie als Entschädigungsprämie für eine angeblich ungerechte Gesellschaft instrumentalisieren.


Doch zurück zum Bundesgericht. Natürlich fällt es unter solchen Umständen leicht, unter Verweis auf die ‘Lehre’ so abstruse Dinge zu postulieren, wonach jener Elternteil zu bevorzugen sei, der während der Ehe mehr Zeit mit den Kindern verbracht habe – und dies sein nun einmal regelhaft die Mutter. Abgesehen davon, dass diese Aussage nicht haltbar ist (Eine mechanistische Zeitvorstellung, in der Stunden und Minuten aufgerechnet werden, sagt nichts über die Qualität der verbrachten Zeit aus), belegt eine Studie des Bundesamts für Statistik, dass Väter durchschnittlich 20.6 Stunden mit ihren Kindern verbringen, Mütter 31.2 Stunden wöchentlich. Bei einer Scheidung diesen Kontakt auf 4 bis 10 Stunden im Monat herabzuwürgen ist nach Ansicht unserer Bundesrichter – Kindeswohl.


Auch die übrigen Kriterien für eine Doppelresidenz sind ähnlich schwammig. So soll zwischen den frisch Geschiedenen ein gutes Einvernehmen in den Belangen der Kindererziehung herrschen (sicherlich eine alltägliche Erwartung an die Betroffenen…) und so weiter.


Weshalb das Bundesgericht ein Fall ‘wegen willkürlicher Beweisführung’ an die Vorinstanz zurückweist, wobei es ja selbst andauernd durch unfundierte, nicht operationalisierte Festlegungen und auf extremen politischen Meinungen basierte Urteile spricht, bleibt dem interessierten Laien jedoch unergründlich.