Bücher zum Thema "Politik und Gesellschaft"

Du bist mein Kind
Jürgen Rudolph
Die 'Cochemer Praxis' - Wege zu einem menschlicheren Familienrecht Es wäre so einfach, eine nachhaltige, rasche und faire Lösung von Sorgerechtskonflikten zu finden. Dies zeigt die Cochemer Praxis, die mit konfliktträchtigen Eltern in Scheidungssituationen tragfähige Lösungen erarbeitet. Richter Jürgen Rudolph, der an der Entwicklung der Cochemer Praxis mitgewirkt hat, beschreibt dies in einem eben erschienenen Buch. Rudolph, der häufig zu Vorträgen im In- und Ausland eingeladen wird, hat nun die erste ausführliche schriftliche Darstellung der Cochemer Praxis in Scheidungsfragen vorgelegt. Er beschreibt, wie sich - mehr zufällig als geplant - die in Scheidungsfragen involvierten professionellen Akteure (Anwälte, Richter, Sachverständige, Jugendamt, Beratung) zusammen gefunden haben, um die gravierenden Mängel des traditionellen Systems der Ehescheidungen in Deutschland zu erörtern. Dabei haben die Cochemer Fachleute nichts spektakulär Neues erfunden - sie haben einfach beschlossen, miteinander jenseits der traditionellen Rollenklischees zu reden. So verzichten Anwälte darauf, vor Gericht schmutzige Wäsche zu waschen und Richter zu urteilen - darin besteht die eigentliche Revolution dieses Ansatzes. Nicht komplexe Theorien liegen der erfolgreichen Cochemer Praxis zu Grunde, sondern interdisziplinäre Zusammenarbeit (anstatt Streit untereinander). Dabei haben sich die Akteure der konsequenten Anwendung der Kindesperspektive (Betrachtung des Konflikts aus der Sicht des Kindes und nicht der Eltern) verschrieben. Für die Vertreter der Cochemer Praxis ist klar, dass der Streit um das Sorgerecht ein Phantomstreit ist, bei dem die eigentlichen Interessen und Bedürfnisse der Betroffenen in den Hintergrund gedrängt werden. Worum gestritten wird, sind Fragen des Wie und Wo des Umgangs. Die Cochemer Praxis hält die elterliche Verantwortung für nicht disponibel. Deshalb richten sich die Interventionen auf die Regelung des tatsächlich zugrunde liegenden Problems (Aufenthalt, Umgang, Vertretung usw.), das dann zum Gegenstand des Verfahrens wird. Der durchschlagende Erfolg der Cochemer Praxis liegt darin, zuvor hochstrittige Verfahren in Bahnen zu lenken, in denen wieder Respekt und Zusammenarbeit möglich werden. In Cochem mussten in den bald 15 Jahren, in denen dieses Modell der Konfliktlösung angewandt wird, gerade einmal zwei Fälle durch einen Richter entschieden werden. In allen anderen Verfahren konnten sich die Eltern selbst auf eine für sie und ihre Kinder stimmige Lösung verständigen. In seinem Buch beschreibt Rudolph den Irrsinn der traditionellen (oder eher: archaischen) Scheidungsverfahren mit ihren für alle Seiten destruktiven Ergebnissen. Dem stellt er den Ansatz der Cochemer Praxis gegenüber - den er auf den Nenner 'Konfliktlösung statt Entscheidung (Sieg oder Niederlage)' bringt. Deutlich wird dies an drei Fallbeispielen, die anhand der traditionellen Praxis wie auch nach dem Vorgehen der Cochemer Praxis bearbeitet werden. Die Unterschiede sind eklatant. Das Buch wird durch 50 wichtige Fragen zum Thema abgerundet, dass die wesentlichen Unterschiede der beiden Ansätze nochmals gezielt beleuchtet. Rudolphs Buch zeigt, wie einfach nachhaltige Lösungen in Trennungskonflikten zu erreichen wären - so man denn nur wollte. Es braucht nicht mehr Geld oder ausgefeilte Theorien, sondern bloss den Willen und die Bereitschaft, zugunsten der Sichtweise der Kinder auf egoistische (und ideologische) Positionen sowie fachspezifische Scheuklappen zu verzichten.
Die vaterlose Gesellschaft
Matthias Matussek
Wir leben in einer Scheidungsgesellschaft. Über die Hälfte aller Großstadtehen werden geschieden. In nur sieben Prozent der Fälle bleiben die Kinder bei den Vätern. So gut wie immer also erleben Kinder im Scheidungsfalle ihre Väter als Abwesende, als Zahlväter, als defizitäre Wesen, als solche, denen allenfalls das Besuchsrecht alle 14 Tage eine Runde durch den Zoo einräumt. Daß fast alle Scheidungskinder bei ihren Müttern leben, haben die meisten Väter akzeptiert, daß sie ihre Kinder aber vielfach nicht mehr oder kaum noch sehen dürfen, empört die Männer. Die Väter sind meist die Verlierer im Geschlechterkampf. Für Männer zu sprechen ist obsolet, ist politisch inkorrekt. Matthias Matussek tut es.Sein leidenschaftliches Plädoyer zieht die Katastrophenbilanz der vaterlosen Gesellschaft.Ein nach wie vor aktuelles und provokantes Buch.